(. . .) Andrea Müller hat im Lauf ihrer über 25—jährigen Arbeit aus der Fülle keramischer Gestaltungsmöglichkeiten einige für ihren individuellen Stil bestimmende Prinzipien des Umgangs mit Material und Gefäßgestalt konsequent verfolgt.
Sie arbeitet außer mit Ton auch mit Porzellan.
Sie hat sich bewusst auf Zylinder-, Kugel- und Eiformen, neuerdings auch Flaschengebilde beschränkt, einfache stereometrische Formen also, die sie vielgestaltig variiert, geleitet durch kanonisch angewandte Proportionsverhältnisse unter der Dominanz des Goldenen Schnittes.
Kontrollierte Kreativität charakterisiert auch den zurückhaltenden Gefäßdekor, meist Rillen im plastischen Körper.
Die Glasur ist in Relief, Farbe und Glanz gefäßkonform und doch von starker eigener Aussage.
Die Gefäßoberfläche wird in zwei Techniken behandelt: Rakubrand mit Glasur und Schmauchbrand ohne Glassur, beide Verfahren in reduzierender Brandtechnik, um eine spannungsreiche Gestaltung zu erreichen.
Glasur— und Gefäßform sind eng bezogen auf japanische Tradition: Die Teeschale ist für Andrea Müller symbolische Form für ihre innere Affinität zum Zen—Buddhismus, Rückzug auf Formen der archaischen Ursprünge unserer Kultur, stilisiert mit in langer Tradition entstandenen Mitteln höchster Verfeinerung.
Derartige Meisterschaft findet seit langem Anerkennung:
Andrea Müller erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, ist präsent in öffentlichen Museen,
in Ausstellungen und Galerien, nicht zuletzt dokumentieren viele Publikationen die große Resonanz ihres Werkes.

Auszug aus dem Grußwort von Dr. Gerhart Hojer | 2005

 

Raku

Ein Brand der im offenen Feuer vollzogen wird.
Der Ton für die Raku—Gefäße muß sehr grobkörnig sein, um die Spannungen des Brandes auszuhalten. Nach dem Schrühbrand wird die Glasur aufgetragen und sorgfältig getrocknet. Der Glasur—Brand erfolgt auf „Sicht“, d. h. die Gefäße werden während des Aufheizens beobachtet. Bei ca. 1000 Grad, wenn die Glasur flüssig erscheint, wird der Ofen geöffnet und jedes einzelne Objekt glühend und mit der Zange entnommen und sofort zum Nachreduzieren in ein Behältnis mit Holz—Sägespäne gelegt.
Durch den Kälteschock reißt die Glasur in feine Craquelés auf. Im schwelenden Sägemehl entwickelt sich durch die Reduktion Rauch (Kohlenstoff), der dann in die vorhandenen Craquelés eindringt und den nicht glasierten Scherben schwarz färbt.
Diese entstehenden Zufälligkeiten in der Oberfläche, sowie der Zangenabdruck und Brandflecken sind gewünscht und machen jedes Stück einzigartig und wertvoll.
Raku—Gefäße erhalten ihre Einmaligkeit durch die Kooperation von Künstler und dem Element Feuer.
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Schmauchbrand

Bei diesem Brandverfahren werden die Objekte nach dem Schrühen unglasiert 4—5 Tage im offenen Feuer gebrannt. Der Brand wird fast ohne Sauerstoff reduzierend geführt. Dadurch entwickelt sich Rauch (Kohlenstoff), der in das Material eindringt.
Die Oberflächen der Arbeiten werden vor dem Brennen teilweise poliert. Besonders die Gefäße aus Porzellan bekommen durch die Politur eine dichte, feine, seidenmatt glänzende Oberfläche, welche dann durch den Schmauchbrand einen Horn ähnlichen Charakter erhalten.
Einige ausgewählte Stücke werden vor dem Brennen mit Eisenoxyd bemalt. Die roten, zeichenhaften Pinselstriche stellen oft fragmentarisch körperhafte Zeichnungen dar, die auch an Kalligraphie erinnern.
Absicht ist, unterschiedlich behandelte Oberflächen in spannungsreiche Proportionsverhältnisse zu setzen.
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